
Überlebensmodus
Was wäre wenn wir uns unserer verdrängten Trauma-Anteile bewusst werden?
Was wäre wenn wir sie aufarbeiten?
Wenn wir an ein Trauma denken, kommt uns in der Regel nur das klassische Schocktrauma in den Sinn. Hierbei geht es um ein in sich geschlossenes, überwältigendes Ereignis. Jedoch gibt es weitere Formen der Traumatisierung. In der folgenden Arbeit werde ich vor allem auf die Auswirkungen eines Entwicklungstraumas eingehen. Dessen Existenz ist uns oft nicht bewusst. Es ist eine Form der Komplextraumatisierung und entwickelt sich, wenn über einen längeren Zeitraum toxischer Stress durch z. B. emotionale Gewalt der Bindungsperson auf ein Kind einwirkt. Die Entwicklung des Kindes wird maßgeblich gestört. Falsch interpretierte oder übersehen Symptome die, unter anderem die Emotionsregulation oder das Beziehungsverhalten betreffen, prägen das Leben der Betroffenen.
Es entsteht ein transgenerationaler Kreislauf von Leid. Werden die Trauma-Anteile nicht verarbeitet, so werden sie zwingend weitergegeben und durch schädigende Verhaltensmuster nach Außen agiert. Kompensations- und Vermeidungsstratetegien werden antrainiert.
Wir haben eine kollektive Verantwortung unsere Trauma-Anteile aufzuarbeiten - Trauma integrieren statt ausagieren.
Verdrängungskunst
Unverarbeitete Trauma-Anteile werden unbewusst oder bewusst verdrängt. Das wohl bekannteste Beispiel sind Familiengeheimnisse oder Geschehnisse aus der Vergangenheit, deren Folgen dann transgenerational vererbt werden (Stichwort: Kriegsenkel). Auch wenn nicht aktiv kommuniziert, aktives Schweigen trägt genauso viele Probleme in sich.
In keinem anderen Kontext passt das Wort “verdrängen” wohl besser als in diesem. Belastende Gedanken, Gefühle, und Erinnerungen werden (unbewusst oder bewusst) ins Unterbewusstsein verschoben, um uns davor zu schützen. Gut gemeint, aber damit sind die Probleme leider ganz und gar nicht verschwunden.
Überlebensmodus (Lyrics)
Warum lähmt mich mein Gefühl obwohl ich's gar nicht spüren kann?
Und wenn doch gerade alles gut ist, wieso bin ich so angespannt?
Warum steh' ich ständig unter Strom und wenn ich Entspannung suche fall' ich in kollabierende Ruhe?
Andauernd erschöpft doch immer am Funktionier'n
Kann mich nicht fallen lassen, zu groß das Bedroh'n in enormer Dimension
Lieber Distanz wahren um an Ablehnung zu sparen
Auf Vertrau'n bleibt's gefährlich aufzubau'n
Dissoziiert lass ich mich irr'n, kann mein Umfeld und mich selber nicht mehr spür'n
Die Verbundenheit ins Innere verlor'n
Die Verbundenheit ins Außen scheint lebensbedrohlich
Aus ihr ergeht worin mein Wert besteht
Unerkannt und eingebrannt aus frühkindlichen Zeiten
Unbegreiflich tief greifende vererbte Schattenseiten
Bleiben Teile uns'rer Selbst, bleiben hier und was sie hält
Die Unwissenheit, dass unsere Vergangenheit
Überwältigend viel Überwältigendes enthielt
Was auch heute nicht so wirkt hat Traumatisches bewirkt
Bin im Überlebensmodus gefang', seit wann
Haben mich diese destruktiven Muster in der Hand?
Schuld-Gefühle der Ohnmacht und der Angst
Halten die Kontrolle und die Macht, halten mich
Gefang’ in der Strategie meiner Biografie Schmerz zu verdräng
Die Verbundenheit ins Innere verlor'n
Die Verbundenheit ins Außen scheint lebensbedrohlich
Aus ihr ergeht worin mein Wert besteht
Unerkannt und eingebrannt aus frühkindlichen Zeiten
Unbegreiflich tief greifende vererbte Schattenseiten
Bleiben Teile uns'rer Selbst, bleiben hier und was sie hält
Die Unwissenheit, dass unsere Vergangenheit
Überwältigend viel Überwältigendes enthielt
Was auch heute nicht so wirkt hat Traumatisches bewirkt
Doch wenn wir nicht gelernt haben uns zu regulier'n
Ist es wenig wunderlich, dass wir Ängste nach Außen projiezier'n
Im Zustand latenter Alarmiertheit oder Apathie gilt alles als gefährlich zu interpretier'n
Machen wir uns bewusst, was uns von früher beeinflusst könn’ wir auf die Verletzung reagier’n
So wird sie nicht mehr nach Außen agiert
Diese Anteile werden nicht mehr länger uns're Beziehungen schädigend dominier'n
Uns're Selbstachtung beginnt zu reflektier’n dass all die destruktiven Muster nur ein Versuch war’n Lösungen zu kreieren
Um zu heilen könn’ wir integrier’n
Was sich durch unentwegt einwirkenden Stress als Entwicklungstrauma in unserem Wesen fixiert
Um diese Teile von uns auch zu akzeptieren
Uns dann dem Leid zuzuwenden um Weitergaben abzuwenden
Können wir unsere Traumaenergie transformier’n
Credits
Text, Komposition, Produktion: Mareike Hadeler• Kamera: Mara Reisinger• Regie: Anna Fortmann•Assistenz: Noelle Euring