
Harmonien des Vergessens
„Harmonien des Vergessens“ gibt einen Einblick in die Symptome und die Gefühlswelt einer neurodegenerativen Demenz. Sind wir nicht selber betroffen, können wir uns nur schwer vorstellen wie sich diese Krankheit anfühlt. Puzzlestücke lassen sich nicht mehr zusammenfügen. Zusammenhänge scheinen willkürlich aus dem Kontext gerissen. Zum einen können wir versuchen, uns durch die Mittel der Musik das kognitive und emotionale Erleben einer Demenzerkrankung näherzubringen. Zum anderen können wir uns auch der Musik bedienen, um eine Demenz unterstützend zu behandeln.
Denn Musik aktiviert. Musik rhythmisiert.
Musik ist mit Erinnerungen verknüpft, und emotionalisiert.
Krankheitsbild Demenz
Demenz bedeutet im Lateinischen so viel wie “ohne Geist”. Es gibt insgesamt über 50 verschiedene Arten, wobei die Alzheimer Demenz mit einem Auftreten von über 65% am häufigsten vertreten ist. Im Allgemeinen geht es bei jeder Form um einen Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit. Betroffen sind Gedächtnis, Sprache, Denkvermögen und Motorik. In manchen Fällen auch das Sozialverhalten und die Persönlichkeit.
Ein Versuch, die emotionalen und kognitiven Erfahrungen einer Demenzerkrankung für Nicht-Betroffene zu vertonen.
Eine Demenz hat viele Gesichter.
Eine Demenz hat viele Leitmotive.
Zwei musikalische Themen (Melodien), das Gedächtnisthema und das Demenzthema, stehen sich gegenüber. Das Gedächtnisthema repräsentiert die intakten kognitiven Funktionen vor und zu Beginn der Krankheit. Es ist harmonisch und in sich geschlossen. Das Demenzthema repräsentiert den Verlauf der Krankheit. Es wirkt bedrohlich und hart; Der Bass bleibt das gesamte Thema über auf einem tiefen E liegen.
Die beiden Themen werden zu Beginn vollständig vorgestellt. Im weiteren Verlauf gewinnt das Demenzthema an Präsenz, das Gedächtnisthema verliert immer mehr an Motivfragmenten. Anschließend konkurrieren beide Themen miteinander, indem Motive beider Themen miteinander verschmolzen und gleichzeitig gespielt werden. Das Demenzthema gewinnt und schließt mit einer bedrohlichen aufsteigenden Bewegung, die hier ihren Höhepunkt erreicht, ab. Der Bass liegt auf einem düsteren A. In den Höhen erklingt ein dazu dissonantes Dis, welches sich versucht zu einem C aufzulösen.
Verdrängungskunst
Die Anzeichen einer Demenzerkrankung werden gerne verdrängt. Angehörige oder auch Betroffene wollen es nicht wahrhaben. Die Krankheit ist auf den ersten Blick nicht sichtbar. Verdrängen und verschweigen scheint die bessere Option zu sein, als sich den Herausforderungen, die sie mitbringt, zu stellen.
Neurologische Musiktherapie
Wir können uns die Musik nicht nur als Hilfe nehmen, um uns in die Erfahrungen von Demenzerkrankungen hineinzufühlen, wir können sie auch nutzen, um eine Demenz unterstützend zu behandeln.
Die (fiktive) Veranstaltungsreihe, die aus einem Informationsabend und einem Konzertabend besteht, kann als erster Zugang zur Musiktherapie dienen. Der Informationsabend zeigt die Möglichkeiten der neurologischen Musiktherapie und leitet zu den schon bestehenden Angeboten in diesem Bereich. Der Konzertabend soll der erste therapeutische Schritt sein, der eine Mischform von rezeptiven und aktiven Musizieren darstellt, und sich den Bedürfnissen der Teilnehmenden anpasst.